Aus der Krippe in die Abschiebehaft

Münster. Am Samstag, den 05.01.2019 wurden aus den Krippen
mehrerer Münsteraner Kirchen die Figur des Josef abgeschoben. Dadurch
soll auf die inhumane Abschiebschiebepraxis und auf das 100-jährige
Bestehen von Abschiebehaftanstalten in Deutschland hingewiesen werden.

Hier der Bescheid von Josef von Nazareth.

„Seit genau 100 Jahren werden Menschen in Deutschland in
Abschiebegefängnisse gesteckt, um sie von dort aus abzuschieben“, so
Beate Pauling, Vertreterin der Gruppe dieser Kunstaktion.
„Abschiebehaft widerspricht nicht nur jeglichen humanen Grundsätzen,
sondern ist in der Praxis vollkommen willkürlich.“ Jede Form der
Abschiebehaft ist ein enormer Eingriff in die Selbstbestimmung von
Menschen und wird in vielen Fällen eingesetzt, obwohl es rechtswidrig
ist: Der Hannoveraner Anwalt Peter Fahlbusch hat seit 2002 bei über der
Hälfte seiner Mandanten Klagen gegen deren Abschiebehaft gewonnen, da
sie zu Unrecht angeordnet wurde.

„Auch aus Münster werden Menschen unangekündigt abgeschoben. Diese
Stadt ist keine Ausnahme mit ihrer inhumanen Abschiebepraxis.“ Erst
kurz vor Weihnachten wurde eine Familie mit zwei kleinen Kindern
unangekündigt und mitten in der Nacht aus Roxel abgeschoben. Bekannte
der Familie bekamen dies mit. „Oft geschehen Abschiebungen, ohne dass
die Münsteraner Bevölkerung davon etwas merkt“, so Pauling weiter.

In den Krippen mit den fehlenden Josefs-Statuen befindet sich ein
Abschiebungsbescheid im Stile des Bundesamts für Migration und
Flüchtlinge (BAMF). Dieser Bescheid, in dem die Abschiebung von Josef
nach Nazareth angeordnet wurde, sowie ein Erklärungstext wurden in den
Kirchen angebracht. Die politische Kunstaktion möchte auf diese Weise
die Münsteraner Öffentlichkeit auf Abschiebungen und Abschiebehaft
aufmerksam machen.

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